Ostergrüße in der St. Elisabeth-Kirche in Stuttgart - Junge Muslime in Stuttgart wünschen Christen ein frohes Osterfest ! Von Bayram Tasdögen Anlässlich der Osterfeiertage hatten wir - der muslimische Teil der CIG - beschlossen, uns am Ostersonntag, den 15. April 2001, morgens vor der St. Elisabeth-Kirche in Stuttgart-West zu treffen. Unsere Absicht war es, als junge Muslime in Deutschland den Besuchern der beiden Gottesdienste des Vormittags zu ihrem Osterfest zu gratulieren.
Die Aktion kam nicht zuletzt durch den Rückenwind der christlichen CIG-Mitglieder und besonders durch Pater Georg Kappeler zustande. Damit wollten wir unserer Pflicht als Muslime und CIG-Mitglieder nachkommen und durch unser Engagement versuchen, ein Zeichen zur Verständigung zwischen den Christen und Muslimen zu setzen. Es sollte die Klischees als auch die Ängste, die so auf beiden Seiten herrschen, abbauen.
Schon allein die Tatsache, dass ich aufgrund meines zu frühen Erscheinens es vorzog, draußen in der Kälte und nicht in der Kirche auf den Rest der Gruppe zu warten, führte mir vor Augen, wie viel Berührungsängste doch existieren und wie viel Nachholbedarf wir haben.
Als nun der Rest der Truppe ankam, betraten wir alle zusammen die Kirche und bereiteten unter den neugierigen Blicken der Kirchenbesucher die Übergabe unserer kleinen Geschenke vor. Die Atmosphäre war ein wenig angespannt, da wir alle nicht wirklich wissen konnten, auf was für eine Reaktion unser Vorhaben stoßen würde. Der Pfarrer der Kirche, Herr Christoph Keller, tat uns jedoch ein Gutes und kündigte mit schönen Worten am Ende des ersten Gottesdienstes den Besuchern unsere Ostergrüße an. Es gab spontanen Applaus, der in einer Kirche sicher selten ist.
Nun verließen vereinzelt die Menschen die Kirche. Die kleinen türkischen Süßwaren in der einen Hand und die Karten mit dem Aufschrieb: "Junge Muslime in Stuttgart wünschen Christen ein frohes Osterfest" in der anderen Hand empfingen bzw. verabschiedeten wir die Kirchenbesucher. Sie traten nun an uns heran und die Neugier stand ihnen sprichwörtlich auf dem Gesicht geschrieben. Sie betrachteten vor allem die mit uns agierenden und deutlich als Muslimas erkennbaren weiblichen Teilnehmerinnen.
Ganz zu unserer Erleichterung jedoch gab es nur strahlende Gesichter. Den Menschen bereitete es eine Freude, an einem für sie so bedeutendem Tag von den Gläubigen einer anderen Religion beglückwünscht zu werden. Überall hörte man ein "Dankeschön", ein "Vielen Dank" und "Wir wünschen ihnen auch ein frohes Ostern". Einige Christen hatte das Ganze so beeindruckt, dass sie Gespräche mit uns begannen. Zwei unter ihnen schenkten uns sogar eine Kleinigkeit, die sie bei sich trugen. Der Pfarrer der Kirche bedankte sich noch selbst bei uns höchstpersönlich für unsere Verbundenheit.
Dann ging es auch bald in die zweite Runde. Eine Schar von Menschen betrat die Kirche zum zweiten Gebetsdienst an diesem Morgen. Mit ihnen zusammen nahmen auch wir Platz auf den Kirchenbänken und beteiligten uns - wenn auch indirekt - am Gebet. Wieder die gleichen neugierigen, vielleicht auch anfangs skeptischen Blicke. Viele mögen sich zu der ungewohnten Lage gefragt haben, was denn Muslime an einem christlichen Feiertag in der Kirche verloren haben. Gegen Ende des Gebets kam jedoch die Erlösung. Der Pfarrer wies die Kirchenbesucher wieder darauf hin, dass sie beim Rausgehen von Muslimen ein kleines Geschenk zu Ostern überreicht bekommen. Es folgte wieder dieselbe Prozedur. Wir nahmen die Kärtchen und die kleinen Geschenke in die Hand, gaben jedem einzelnen eine davon und wünschten ihnen ein frohes Ostern.
Der zweite Durchgang kam bei den Menschen mindestens genau so gut an wie der erste. Wieder einmal hatten sich die Kirchenbesucher - ob Jung oder Alt - über diese Geste sehr gefreut. Es entstanden hier und da kleine Gespräche, bis dann schließlich jeder sich voneinander verabschiedete und frohen Mutes den Weg nach Hause antrat. Denn an diesem Tag waren wir Muslime mindestens genauso glücklich wie die christlichen Gläubigen, weil wir die vielen lächelnden und freudigen Gesichter in Erinnerung hatten. Es war sicherlich ein erfolgreicher Tag für uns alle - ob Christen oder Muslime - und wir hoffen, dass uns Gott nächstes Jahr zur selben Zeit wieder die Gelegenheit und die Kraft dazu gibt, die Herzen der Menschen zu bewegen. |